Persönliches, Ich weiß noch, wie …

Ich weiß noch, wie …

… ich meinen Berufswunsch „Krankenschwester“ begraben musste.

Meine Oma war schon immer sehr krank und ich verbrachte bereits im Kleinkindalter sehr viel Zeit in Kliniken. Mich faszinierten diese Orte von Beginn an, trotz dem vielen Elend und Leid das ich sah. Mein größter Wunsch war es, meiner Oma zu helfen, dass sie gesund wird und das alle Menschen in den Krankenhäuser Heilung erfahren. Schon als 5-jähriges Mädchen stand für mich fest … ich werde Krankenschwester.

Es klingt vielleicht unglaublich, aber ich brachte als junge Grundschülerin rasch in Erfahrung, welche Voraussetzungen ich dafür mitbringen muss und welche Schulfächer von grösster Bedeutung sind. Ich fokussierte mein Ziel und für mich brach eine Welt zusammen, als mein Klassenlehrer im 4. Schuljahr nur eine Empfehlung für die Hauptschule aussprach. Fassunglos mußte ich dieser Tatsache ins Auge schauen.

Aber um Krankenschwester zu werden, wurde Mittlere Reife vorausgesetzt. Ich gab auf der Hauptschule so richtig Gas, denn ich wusste, damals konnte man nochmal nach dem 6. Schuljahr die Schule wechseln. Meine Zeugnisse strahlten mit der Note 1 in fast allen Fächern auf. Dem Wechsel auf die Realschule stand nichts mehr im Wege, ich bekam sogar beim Aufnahmegespräch mit dem Schuldirektor der Realschule, eine Empfehlung das Gymnasium zu besuchen.

Aber der Wechsel war mir zu krass, außerdem plagten mich, bei meiner Prüfungsangst die ich hatte,  die Angst die Klausuren beim Abitur nicht zu schaffen. Also begann ich mit dem 7. Schuljahr die Realschulzeit. Ich gehöre mit meinem Geburtsdatum zu den geburtenstarken Jahrgängen und es war fast unmöglich eine Ausbildung als Krankenschwester anzutreten. Aber ich lies nichts unversucht … doch letztendlich scheiterte ich an den Vorgaben meiner Eltern, die plötzlich strikt gegen meinen Berufswunsch waren.

Tausend negative Begründungen lieferten sie mir, warum der Beruf völlig ungeeignet für mich wäre. Emotional fuhr ich Achterbahn und wusste irgendwann selbst nicht mehr, ob ich tatsächlich Krankenschwester werden möchte und kann. Meine Eltern setzten mich unter Druck und ich gab nach. Der Wunsch, eine Krankenschwester zu sein, legte ich ab.

Danach wusste ich gar nicht, was ich für eine Ausbildung antreten darf und soll. Ich irrte förmlich umher, schaute hier, schaute da. Die Empfehlung des Arbeitsamtes lautete: ich soll Stewardess werden … wahnsinn, das wollte ich nun gar nicht, war bis dato noch nie mit einem Flugzeug geflogen. Übrigens, bis zum heutigen Tage noch nicht. Also ging ich noch 2 Jahre lang auf die Höhere Berufsfachschule für Wirtschaft, mit dem Resultat, dass ich zwar die Prüfungen trotz extremer Prüfungsangst bestanden hatte, aber davon überzeugt war, die falsche Richtung eingeschlagen zu haben. Mir war egal, welche Ausbildung ich annehme, es war definitiv nicht die passende. Ich begann eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich in einem großen Warenhaus, die ich auch abschloss.

Aber meinem Traumberuf Krankenschwester trauere ich bis heute nach.

(c) Sibylle Wild, Januar 2016