Kurzgeschichte: Das rosa Tütchen … Verfasser unbekannt

Vorweg möchte ich erwähnen, dass nachfolgende Geschichte nicht von mir stammt, sondern von einem unbekannten Verfasser.

Die Kurzgeschichte gehört zu meinen Lieblingsgeschichten und sie passt wieder mal gerade zu meiner Lebenssituation. Sie schenkt mir neuen Mut und lässt mich dankbar werden, für jeden kostbaren Augenblick.

Nun die Kurzgeschichte von dem unbekannten Verfasser:

Als ich eines Tages, wie so oft, traurig durch den Park schlenderte und mich auf einer Parkbank niederließ, um über alles nachzudenken, was in meinem Leben schiefläuft, setzte sich ein fröhliches, junges Mädchen zu mir. Sie spürte meine Stimmung und fragte: „Warum bist Du traurig?“ „Ach“, sagte ich, „ich habe keine Freude im Leben. Alle sind gegen mich. Alles läuft schief. Ich habe kein Glück und weiß nicht, wie es weitergehen soll.“
„Hmmm“, meinte das Mädchen, „wo hast du dein rosa Tütchen? Zeig es mir mal. Ich möchte da mal hineinschauen.“
„Was für ein rosa Tütchen?“ fragte ich sie verwundert. „Ich habe nur ein schwarzes Tütchen.“ Wortlos reichte ich es ihr.
Vorsichtig öffnete sie es und sah hinein. Ich bemerkte, wie sie erschrak. „Es ist ja voller Alpträume, voller Unglück und schlimmer Erlebnisse!“
„Was soll ich machen? Es ist eben so. Daran kann ich nichts ändern.“
„Hier, nimm“, meinte das Mädchen und reichte mir ein rosa Tütchen.
„Sieh hinein!“ Mit etwas zitternden Händen öffnete ich das rosa Tütchen und konnte sehen, dass es voll war mit Erinnerungen an schöne Momente des Lebens. Und das, obwohl das Mädchen noch jung war.
„Wo ist dein schwarzes Tütchen?“ fragte ich neugierig.
„Das werfe ich jede Woche in den Müll und kümmere mich nicht weiter drum“, sagte sie. „Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, mein rosa Tütchen im Laufe des Lebens vollzubekommen. Da stopfe ich so viel wie möglich hinein. Immer wenn ich Lust dazu habe oder beginne traurig zu werden, dann öffne ich mein rosa Tütchen, schaue hinein und es geht mir sofort besser. Wenn ich einmal alt bin, dann habe ich immer noch mein rosa Tütchen. Es wird voll sein bis obenhin und ich kann sagen: „Ja, ich hatte etwas vom Leben. Mein Leben hatte einen Sinn!“
Noch während ich verwundert über ihre Worte nachdachte, gab sie mir einen Kuss auf die Wange und war verschwunden. Neben mir auf der Bank lag ein rosa Tütchen mit der Aufschrift: Für Dich!
Ich öffnete es zaghaft und warf einen Blick hinein. Es war fast leer, bis auf einen kleinen zärtlichen Kuss, den ich von dem jungen Mädchen auf einer Parkbank erhalten hatte.
Bei dem Gedanken daran musste ich schmunzeln und mir wurde warm ums Herz. Glücklich machte ich mich auf den Heinweg.
Und ich vergaß nicht, mich am nächsten Papierkorb meines schwarzen Tütchens zu entledigen. – Unbekannter Verfasser –

 

Advertisements

Zwischendurch … einfach mal so … ein Minitext zum aktuellen Anlass in meinem Leben

Manche Tage können sehr langweilig sein, wenn es nicht mehr viele Dinge gibt, an denen man sich freuen kann. Zu dieser Erkenntnis kam  Egon, der seit 3 Monaten im Altenheim lebt. Ja, er ist freiwillig ins Altenheim, niemand drängte ihn. Egon erkannte selbst, dass vieles zu Hause nicht mehr ging. Es war gar nicht so einfach ein Altenheim zu finden, dass ein freies Zimmer anbieten konnte. Aber manchmal fügt sich eins zum anderen, denn im Altenheim im Nachbardorf wurde ein Platz frei. Der Umzug ging schnell, ein Zimmer im Altenheim bietet nicht viel Platz für Habseligkeiten. Tatsächlich traf Egon auf ein paar vertraute Gesichter, einige Heimbewohner seiner Altersgeneration kannte er von früher. Trotzdem isoliert sich Egon immer mehr, sein Fernseher wird zum Lebensmittelpunkt. Wann immer man ihn besuchen kommt, seine Zimmertür ist geschlossen und von drinnen dröhnt laut der Fernsehapparat. Egon ist an Krebs erkrankt und die Altersdemenz greift um sich. Sein ganzes Wesen ist verändert und nichts erinnert mehr an den Mann Egon, der vor einem halben Jahr noch seinen Haushalt managte und immer on Tour war. Alt-werden ist verdammt hart, wenn die Kräfte schwinden und immer mehr Krankheiten einen auf Trab halten. Egon bezeichnet sein neues Domizil als Endstation, es gilt nur noch das Warten auf den Tod. Inzwischen ist Egon müde und ausgezehrt vom Leben, er wünscht sich ein baldiges Ende. Nüchtern betrachtet, kann ich seine Reaktion verstehen. Aber Gott entscheidet, wann die Zeit dafür reif ist. Alles hat seine Zeit … so steht es schon in der Bibel.

Kurzgeschichte, Die Granny-Aupair

Kurzgeschichte     „Granny-Aupair“

Magdalena fühlt sich mit ihren 67 Jahren noch nicht zu alt für einen Aufenthalt im Ausland. In einer Frauenzeitung las sie von der Möglichkeit der „Granny-Aupair“.  Warum das Nützliche nicht mit dem Angenehmen verbinden. Magdalena war gelernte Erzieherin und konnte sehr gut mit Kindern umgehen. Sie war leidenschaftlich gerne Oma, doch zwischenzeitlich ist Magdalenas Enkel Ingo längst erwachsen und benutzt sie nur noch als Geldquelle. Vor vier Jahren starb Magdalenas Mann an einem Herzinfarkt, seitdem lebt sie alleine in dem großen Haus in Würzburg. Finanziell ist sie gut gestellt, es mangelt ihr an nichts. Doch langsam sind die Freundschaften von früher nicht mehr das was sie mal waren. Manchmal fühlt sich Magdalena wie das fünfte Rad am Wagen, wenn sie mit den Ehepaaren von damals, als ihr Mann noch lebte, unterwegs war. Wirklich einsam ist sie nun nicht, aber häufig ist ihr Alltag ein wenig eintönig. Gelegentlich kommen die ehemaligen Kolleginnen aus dem Kindergarten vorbei, es sind schöne Stunden bei Kaffee und Kuchen. Doch ein häufiger Personalwechsel führt dazu, dass sie nur noch ganz wenige Kolleginnen aus ihrem alten Team kennt.  Magdalena frischte kürzlich ihre Englischkenntnisse in Volkshochschulkursen auf. Wenn sie als Granny-Aupair im Ausland arbeiten möchte, dann sind doch gute Englischkenntnisse sehr von Bedeutung. Wie man im Internet surft und eMails schreibt, das lernte Magdalena bereits vor Jahren von ihrem eigenen Enkel Ingo. Dafür benötigt sie kein Seminar mehr.

 

Ein Kontakt zur Agentur für Granny-Aupairs besteht bereits. Magdalena ist sich ihrer Entscheidung noch nicht ganz sicher, ob sie zu einer Familie nach Kanada für 1 Jahr gehen möchte oder doch die Reise nach Australien antreten soll, auch dort wartet eine junge Familie mit 2 Kindern. Aber die Tendenz geht Richtung Kanada. Vor 17 Jahren schenkte Magdalenas Mann ihr zum 50. Geburtstag eine Reise nach Kanada. Es war eine wunderschöne Zeit die Magdalena zusammen mit ihrem Mann in Kanada verbrachte. Die beiden mieteten sich ein Wohnmobil und fuhren vom Osten Kanadas bis zur Westküste. Es war ein atemberaubender Trip und die Landschaft, die Menschen und die Tiere in Kanada begeistern Magdalena bis heute.

 

Optimal ist auch die Konstellation der kanadischen Familie, die eine Granny-Aupair aus Deutschland gerne bei sich aufnehmen würden. Die Ehefrau ist Deutsche und die drei Kinder wachsen zweisprachig auf. Ein klares Plus, denn dann gibt es keine  Sprachbarriere. Eigentlich weiß Magdalena gar nicht so genau, warum sie noch zögert. Die 4-jährigen Zwillinge, Aaron und Sarah, sehen so niedlich auf den Fotos aus und die zwei Jahre ältere Schwester Tabea zeigt sich auf dem Bild mit einem süßen Lächeln bei ihrer Einschulung. Der Familienvater Glenn arbeitet als Lehrer und seine deutsche Frau Lydia ist als Ärztin tätig. Magdalena steht seit ein paar Tage in eMail-Kontakt mit der jungen Familie in Kanada, um die ersten Daten auszutauschen und sich besser kennenzulernen. Vielleicht ist es ja möglich und auch ratsam für eine Stipvisite nach Kanada zu fliegen, um die Familie persönlich kennenzulernen und sich anzuschauen wo Magdalena dann für ein Jahr leben wird.

 

Glenn und Lydia Fraser leben in British Columbia, genauer gesagt in Vancouver. Lydia stammt ursprünglich aus Landshut und wanderte nach ihrem Medizinstudium nach Kananda aus. Seitdem arbeitet sie als Ärztin. Ihren Mann Glenn Fraser lernte die junge Ärztin im Krankenhaus kennen, er war ein Patient auf ihrer Station. Die Beiden heirateten sehr schnell, weil Lydia schwanger wurde und später Tochter Tabea zur Welt brachte. 2 Jahre später folgten die Zwillinge Aaron und Sarah. Als Ärztin ist Lydia sehr gefordert und sie hat regelmässig ein schlechtes Gewissen, weil sie nicht so viel Zeit mit ihren Kindern verbringen kann, wie andere Frauen dies tun können. Glenn unterstützt sie wo es nur geht bei der Kindererziehung und der Hausarbeit, aber Unterstützung durch eine Granny-Aupair wäre wirklich hilfreich.

 

Magdalena freut sich schon auf die neue Herausforderung und vereinbarte mit den Frasers ein persönliches Kennenlernen in Kanada. Sie buchte einen Flug nach Kanada um danach endgültig eine Entscheidung fällen zu können, ob sie die Anstellung bei den Frasers antritt, die direkt in der Metropole Vancouver leben. Die Skyline von Vancouver ist grandios, findet zumindestens Magdalena, es gibt einige Leute die wenig begeistert sind. Der Hafen von Vancouver erlangte nach Eröffnung des Panamakanals an internationaler Bedeutung. Er ist der größte in Kanada und exportiert mehr Güter als sonst ein Hafen in Nordamerika. Zwischenzeitlich leben über 600.000 Menschen in Vancouver. Die Stadt wird auch oft „North Hollywood“ genannt, weil Vancouver nach Los Angeles und New York der drittwichtigste Standort der nordamerikanischen Filmindustrie ist.

 

Die Familie Fraser lebt im Stadtbezirk West End in einem modernen, großzügigen Haus. Magdalena ist begeistert. Das Haus ist stilsicher eingerichtet, es gefällt Magdalena auf Anhieb, hier könnte sie sich wohlfühlen. Glenn Fraser, der Familienvater, ist Mitte 30 und wie schon erwähnt von Beruf Lehrer. Seine deutsche Ehefrau Lydia, ist gerade 30 Jahre alt geworden und fand direkt nach ihrer Einwanderung nach Kanada eine gute bezahlte Anstellung als Ärztin. Magdalena ist so glücklich, dass Lydia ursprünglich aus Deutschland stammt, so wird die Sprache nicht zum Hindernis und die 3 Kinder, Tabea, Aaron und Sarah sprechen ebenfalls fließend Deutsch. Noch während ihres einwöchigen Aufenthaltes in Vancouver entscheidet sich Magdalena den Granny-Aupair-Job bei den Frasers anzunehmen und die Familie Fraser ist begeistert, dass Magdalena für 1 Jahr als Granny zu ihnen nach Kanada kommt. Platz ist mehr als reichlich für Magdalena da, sie bekommt sogar 2 Zimmer die sie während dem Jahr für sich alleine als Rückzugsort im Haus nutzen darf.

 

Nachdem alle Formalitäten zwischen der Granny-Aupair-Agentur, der Familie Fraser und natürlich Magdalena geklärt und unterzeichnet waren, durfte Magdalena ganz offiziell zu den Frasers nach Kanada ziehen. Anfangs war es durchaus eine Umstellung … aber Magdalena fand sich schnell in den Alltags-Rhythmus der Familie Fraser ein. Magdalena übernahm nicht nur die Betreuung der 3 Kinder, sondern sie war auch für s Kochen und Backen für die ganze Familie zuständig, ebenso für viele Bereiche der Hausarbeit und des Gartens. Zum Glück stellten die Frasers bereits vor Jahren eine Putzfrau für das riesen Haus ein. So stand Magdalena durchaus viel Zeit für Tabea, Aaron und Sarah zur Verfügung. Die 3 Kids versuchten natürlich erst mal ihre Grenzen auszuloten, aber Magdalena, als ausgebildete Erzieherin, konnte schnell reagieren und nach kurzer Zeit akzeptierten die Kinder ihre neue Granny. Magdalena blühte richtig auf in ihrer Rolle als Granny aus Germany.

 

Mit den Zwillingen Aaron und Sarah bastelte sie sehr viel, las den Kindern Geschichten vor. Tabea durfte die ersten einfachen Zutaten beim Backen rühren. Und viel, viel mehr bot Magdalena den 3 Kids. Glenn und Lydia Fraser waren dankbar, dass Magdalena sie so tatkräftig in allem unterstützte. Magdalena wurde die Perle des Hauses Frasers. Als Dankeschön boten die Frasers Magdalena ganz viel Kunst, Kultur, Musik und Sport. So besuchten sie gemeinsam die Vancouver Art Gallery (mit über 8.000 Kunstwerken, darunter auch Illustrationen von Marc Chagall). Auch den Skulpturenpark mit 14 Bronzeskulpturen des chinesischen Künstlers Minjun suchten sie auf. Die 2,50 m hohen Skulpturen zeigen lachende Männer und die Skulpturen befinden sich in der Nähe des Morton Park. Eine Sehenswürdigkeit ist auch die „Steam Clock“, eine dampfbetriebene Uhr, die alle 15 Minuten pfeift. Lydia Fraser hört begeistert Folk-Musik und da war es selbstverständlich, dass die Familie Fraser mit Magdalena bei dem bedeutenden „Vancouver Folk Music Festival“ waren. Der Familienvater Glenn mag Eishockey, er lässt kein Heimspiel seiner geliebten Vancouver Canucks aus. Magdalena war auch dort mal mit als Zuschauerin.

 

Einige Wochen später fühlte sich Glenn Fraser nicht wohl. Ihm war schwindelig und er hatte Sehstörungen. Eines Morgens brach er zusammen während dem Frühstück, er war bewusstlos. Lydia war bereits im Dienst im Klinikum und Magdalena verständigte sofort den Notruf und informierte Lydia. Glenn wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Der erste Verdacht fiel auf Schlaganfall, doch diese Diagnose bestätigte sich nicht. Es wurden weitere Untersuchungen vorgenommen. Dann der Schock, die Ärzte stellten bei Glenn einen Hirntumor fest. Das ganze Familienleben änderte sich ab diesem Augenblick … verständlicherweise. Chemotherapie, Bestrahlungen, viele Medikamente … die übliche Behandlungsmethoden. Doch Glenn ging es immer schlechter. Alle waren sehr besorgt und die ganze Familie hatte Angst und befürchtete das schlimmste. Doch es geschehen auch heute noch Wunder und Gott heilt zu seiner Zeit. Lydia Fraser konnte einen Spezialisten in Toronto ausfindig machen, der bereit war, Glenn zu operieren. Die Operation war nicht ohne Risiken, aber der Eingriff wurde zum Erfolg. Diese gesamte Krise bewältigte die Familie Fraser auch wegen der Hilfe von Magdalena. Sie hielt Lydia den Rücken frei. Tabea, Aaron und Sarah waren während der Zeit völlig durch den Wind. Tabeas Noten in der Schule veränderten sich zum Schlechten. Aaron und Sarah zeigten Auffälligkeiten, sie waren sehr nervös, verspürten große Angst und die regelmäßige Besuche bei ihrem Vater in der Klinik kosteten die Kids sehr viel Kraft. Die sensible Sarah weinte viel. Doch als Vater Glenn gesund wurde, war er so dankbar über seine Genesung, dass er auf die Idee kam, während der Ferienzeit mit der Familie eine Wohnmobilreise durch Kanada zu machen. Magdalena sollte natürlich mitfahren, sie hatte ja bereits Erfahrungen sammeln dürfen, als sie vor 17 Jahren mit ihrem Mann durch Kanada im Wohnmobil tourte.  — Fortsetzung folgt —

(c) Sibylle Wild,  4. Mai 2015

Kurzgeschichte, Die Rivalinen

Kurzgeschichte       „Die Rivalinen“

Schon wieder klingelte Christianes Handy … ausgerechnet jetzt wo sie in der Badewanne lag und ein Schaumbad nahm. Heute Abend ist Christianes erstes Date mit Markus und sie fürchtet, dass Markus ihr eine Absage auf der Handy-Mailbox hinterlassen könnte. Eilig kletterte Christiane aus der Badewanne, schnell griff sie zum Badetuch und huschte nass wie sie war in die Küche. Dort lag ihr Handy auf dem Tisch. Ohne ihre Brille war Christiane kaum fähig die angezeigte Telefonnummer zu entziffern. Keine Ahnung wer sich gleich am anderen Ende melden wird. Hoffentlich ist es nicht Markus. „Hallo Christiane! Stör ich gerade?“ Diese Frage kam von Christianes bester Freundin Steffi. „Hi Steffi! Bitte nicht böse sein, aber ich stehe fast nackt und tropfnass in der Küche und neben mir bilden sich schon die ersten Pfützen. Außerdem wird es mir langsam kalt. Ich komme direkt aus der Badewanne. Können wir vielleicht morgen Früh in aller Ruhe telefonieren?“ Enttäuscht antwortete Steffi: „Och schade!“ Steffi gab aber nicht so schnell auf. „In meinem Kühlschrank steht noch eine Flasche Prosecco, die wir trinken können. Ich mache uns auch was zum Essen. Würde mich freuen, wenn Du nachher vorbei kommst!“ Christiane überlegte, wie sie aus der Nummer wieder raus kommt, ohne Steffi zu verletzen. Um keinen Preis darf Steffi von Christianes Date mit Markus erfahren. Also musste Christiane rasch etwas einfallen, denn ihr war nicht entgangen, dass Steffi ebenfalls ein Auge auf Markus geworfen hat. “ Ach Steffi, ein anderes mal liebend gern, aber heute Abend treffe ich mich mit meiner Arbeitskollegin Nadine.“ Christiane tat es leid, ihre beste Freundin so belügen zu müssen. Normalerweise kann sie mit Steffi über alles reden, aber beim Thema Markus will Christiane Vorsicht walten lassen. Jetzt war es Christiane aber wirklich richtig kalt. Zurück im Bad trocknete sie sich rasch ab und schlüpfte in ihr enges Kleid, dass sie extra für das Date mit Markus gekauft hatte.

 

Noch eine halbe Stunde, dann holt Markus sieh ab. Christiane sieht mit ihren 4O Jahren sehr gut aus, viele schätzen sie  wesentlich jünger als sie tatsächlich ist. Es schmeichelt Christiane und sie gibt sich viel Mühe bei der Auswahl ihrer Kleidung und ihrem Auftreten. Zwar ist sie schon seit 4 Jahren geschieden, doch an Männerbekanntschaften mangelt es ihr nicht, aber bis jetzt war der richtige Mann einfach nicht dabei gewesen. Doch Christiane gibt die Hoffnung nicht auf ihren Mr. Right noch zu finden. Zwischenzeitlich war es bereits 19.45 Uhr, Christiane stand vor ihrer Hauseingangstür auf dem Bürgersteig und wartete bereits seit einer viertel Stunde auf Markus. Langsam fing es draußen an zu nieseln und der Regen ruinierte Christianes Frisur. Wenn Christiane etwas nicht leiden kann, dann ist es Unpünktlichkeit. Sie kontrollierte ihr Handy, aber Markus hatte ihr keine Nachricht auf ihrer Mailbox hinterlassen. Christiane war bereit noch 5 Minuten im Nieselregen zu warten. Die Zeit verstrich, aber Markus tauchte nicht auf. Enttäuscht ging Christiane zurück ins Haus. Selbstverständlich konnte sie versuchen Markus auf seinem Handy zu erreichen, die Nummer war ihr bekannt, aber Christiane überlegte es sich anders. Sie rennt keinem Mann mehr hinterher.

 

Christiane überlegte, ob sie ihre beste Freundin Steffi anrufen kann. Denn jetzt ist ihr definitiv nach einem Glas Prosecco und leckerem Essen. Der Versuch war es wert, doch Steffi reagierte nicht auf Christianes Anruf. Vielleicht ist Steffi zu sehr enttäuscht von mir, dass ich mich heute Abend nicht mehr mit ihr treffen kann, überlegte Christiane. Ach, was soll es, so sauer kann Steffi gar nicht sein. Christiane griff nach ihrem Autoschlüssel und wenige Augenblicke später saß sie in ihrem BMW und fuhr zu Steffi. Schon beim Einbiegen in Steffis Hofeinfahrt fiel Christiane auf, dass bei ihrer besten Freundin alles dunkel war. Christiane stieg aus ihrem BMW und klingelte an Steffi s Haustür. Doch Steffi öffnete nicht. Einen letzten Versuch wagte Christiane noch und schlich um Steffis Haus zur dahinterliegenden Terrasse. Sie spähte in Steffis Wohnzimmer, da stand die leere Flasche Prosecco auf dem Tisch, das danebenstehende Essen war kaum angerührt worden, aber was Christiane sofort auffiel waren die 2 (!!!) großen Prosecco-Gläser. Natürlich darf Steffi sich auch mit jemand anderem treffen, aber ungewöhnlich war es trotzdem. Steffis Freundeskreis war überschaubar, das wusste Christiane und viele Freundschaften von Steffi gingen zu Bruch, als sie vor 2 Jahren Nürnberg den Rücken kehrte und nun hier in der Provinz lebte. Wie auch immer, Steffi war derzeit nicht zu Hause und so fuhr Christiane zurück in ihre eigenen vier Wände. Sie schaltete den Fernseher an, irgendwie wollte sie noch etwas runterfahren. Kurz nach 21 Uhr klingelte ihr Handy. Christiane erkannte im Display die Telefonnummer von Markus. Der überschlug sich in Sachen Freundlichkeit, wie leid es ihm doch tut, aber ihm wäre ein anderer Termin dazwischen gekommen und er war so in Eile, dass es noch nicht mal für ein kurzes Telefonat gereicht habe. Natürlich war Christiane enttäuscht, aber sie wollte Markus eine zweite Chance geben. Die Beiden verabredeten sich für s Wochenende.

 

Wie versprochen meldete sich Christiane am nächsten Morgen bei Steffi. Die wirkte ganz fröhlich und gut gelaunt am Telefon, das überraschte Christiane sehr. Denn sonst jammerte Steffi immer sofort über ihre Arbeit im Steuerbüro. Aber heute Morgen wirkte Steffi richtig happy. Christiane sprach das Thema an, doch Steffi gab vor, alles wäre wie immer.

 

Nun kam der Samstagabend und wie besprochen, wartete Christiane vor dem Kino auf Markus. Obwohl es merklich kühler geworden war, trug Christiane das enge Sommerkleid, dass sie extra für das Date mit Markus gekauft hat. Sie fror erbärmlich vor dem Kino. Weit und breit war nichts von Markus zu sehen. „Der wird es doch nicht wagen … “ sagte Christiane in dem Moment. Da sah sie aber, wie Markus seinen Audi auf den Kinoparkplatz lenkte. Christianes Herz hüpfte für einen Moment höher und sie kam sich vor wie ein Teenager. Doch Markus stieg nicht alleine aus dem Wagen aus, vom Beifahrersitz lies sich ganz elegant eine Zwanzigjährige gleiten … sie trug ein knallenges Minikleid und stolzierte auf Highheels Richtung Kino in Begleitung von Markus und der war stolz wie Oskar. Christiane fiel die Kinnlade runter und blitzschnell entfernte sie sich vom Geschehen. Die Blamage wollte sie sich nicht geben. Heulend startete sie ihren BMW und fuhr nach Hause. Christiane war stinksauer, am liebsten wäre sie Markus an die Gurgel gesprungen, als er vorhin mit der aufgebrezelten Tussi am Kino erschienen war. „Was ist das denn für ein Mistkerl!!“ fluchte Christiane laut vor sich hin. Sie griff nach ihrem Handy und einen kurzen Moment später meldete sich ihre beste Freundin Steffi am anderen Ende. Christiane wollte eigentlich Steffi ihr Leid klagen, doch sie hörte nur eine weinende Steffi. Die flehte: „Christiane, bitte, kannst Du zu mir kommen“. Zehn Minuten später saß Christiane im Wohnzimmer von Steffi. Die beiden Frauen hielten sich fest im Arm und Christiane fragte vorsichtig, was der Grund für Steffis Weinkrampf sei. Unter Tränen erzählte Steffi, dass sie sich schon vier mal mit ihrem Schwarm Markus getroffen hat, dass es sogar zu einer gemeinsamen Nacht kam und dass sie so gehofft hatte, dass Markus nun der Mann an ihrer Seite wird.  Mit manchem hätte Christiane gerechnet, doch das ausgerechnet Markus der Grund für Steffis Heulattacke war, das haute sie dann doch um. Nun erklärten sich Christiane die 2 Prosecco-Gläser in Steffis Wohnung, die sie kürzlich entdeckte. Doch Christiane versuchte neutral zu wirken, denn sie wollte um keinen Preis sagen, dass sich eben jener Markus schon zwei mal mit ihr verabredet hatte und Christiane war auch nicht fähig, Steffi zu erzählen, dass eben jener Markus mit einer Zwanzigjährigen rum macht. Markus entpuppte sich als richtiger Hallodri. Christiane gelang es ihre beste Freundin zu beruhigen. Eines versprach Christiane, dass Markus eine gehörige Lektion erteilt bekommt. Wie genau, das wusste sie selbst noch nicht so richtig. Aber eine Chance wird sich bieten … und diese Chance kam viel schneller als gedacht.

 

Christiane saß im Personalbüro und stöberte durch die aktuellen Bewerbermails. Ihr Arbeitgeber bietet derzeit eine frei Stelle für einen Ingenieur an. In Christianes Mail-Postfach war auch die Online-Bewerbung von Markus. Natürlich ist Christiane nur die Sekretärin der Personalchefin und darf keine alleinige Vorauswahl treffen, also blieb ihr nichts anderes übrig, als Markus Online-Bewerbung zusammen mit 68  anderen Bewerbungen ihrer Vorgesetzten vorzulegen. Christiane hoffte inständig, dass Markus durch das Bewerberraster fiel und sie ihm ganz persönlich eine Absage schreiben durfte. Aber es kam ganz anders. Die Personalchefin gab Christiane den Auftrag Markus per Telefon für ein Vorstellungsgespräch einzuladen. Auch das noch, dachte sich Christiane. Ihr war klar, dass Markus sie sofort am Telefon erkennen wird und wahrscheinlich versucht, sich bei ihr einzuschleimen und den Posten als Ingenieur zu ergattern. Vitamin B (Beziehungen) ist alles. Es überraschte Christiane nicht wirklich, dass genau diese Masche Markus jetzt auch abzog. Aber da biss er bei Christiane auf Granit. Markus sah wirklich umwerfend aus, als er zum Vorstellungsgespräch erschien. Er war höflich und charmant und glänzte (leider) mit einem prägnanten Fachwissen. Christiane war klar, dass Markus die Anstellung bekam und wenige Tage später durfte er seinen Arbeitsvertrag unterschreiben.  Christiane war nicht gerade amüsiert darüber, dass sie jetzt mit so einem Macho wie Markus in der Firma auskommen musste. Wohlweislich verschwieg Christiane ihrer besten Freundin Steffi, dass Markus nun bei Christiane in der Firma als Ingenieur arbeitet.

 

Eines Morgens sprang Christianes BMW einfach nicht mehr an, sie konnte noch so oft den Schlüssel drehen, der Wagen gab keinen Mucks von sich. Christiane war genervt und rief bei ihrer Autowerkstatt an, ob jemand vorbei kommen könnte, vielleicht liegt es ja nur an der Batterie. Es verging eine halbe Ewigkeit, doch kein Automechaniker tauchte auf. Aus Verzweiflung versuchte Christiane den ADAC zu verständigen, aber unter 2 Stunden Wartezeit würde kein Automechaniker mit Abschleppwagen auftauchen können. Christiane kochte vor Wut und in ihrer Verzweiflung fiel ihr plötzlich ein, dass ihre Freundin Steffi heute Morgen einen Termin beim Gynäkologen hat. Da Steffi sowieso auf den Weg in die Stadt mußte, rief Christiane sie an und fragte vorsichtig nach, ob Steffi bereit wäre sie mitzunehmen. „Klaro“war die Antwort von Steffi.  Christiane war mehr als erleichtert und kurze Zeit später saß sie in Steffis Golf Cabrio. Steffi war aus irgendeinem Grund sehr angespannt und nervös, das fiel Christiane auf, aber sie selbst wollte nur noch schnell zur Arbeit. Steffi parkte ihr Cabrio vor dem Werkstor und Christiane stieg aus. In dem Moment bog Markus mit Kollegen um die Ecke. Steffi starrte ihn an und verzog ihre Miene, doch viel schlimmer waren die harten Worte die sie an Christiane richtete. „Wir reden heute Abend, Steffi“ versuchte Christiane ihre Freundin zu besänftigen. Denn eine Szene vorm Werkstor, das wollte Christiane unbedingt vermeiden. Mit quietschenten Reifen und in einem rasenden Tempo fuhr Steffi davon. Christiane plagte ein schlechtes Gewissen.

 

Nach Feierabend versuchte sie Steffi zu erreichen, die zwei Freundinnen müssen unbedingt miteinander reden, das stand fest. Zu Steffis Haus gab es eine direkte Busverbindung, diese nutzte Christiane, denn nach dem Vorfall von heute Morgen konnte sie nicht erwarten, dass Steffi sie vom Arbeitsplatz abholte. Während der Busfahrt tippte Christiane eine SMS für Steffi, aber es kam keine Rückantwort und nun stieg sie schon aus dem Bus aus. Christiane wurde es ganz flau im Magen, das wird wohl heute ein harter Weg werden. Zwischenzeitlich war es schon 17 Uhr als Christiane vor Steffis Haus stand und klingelte. Niemand öffnete und es rührte sich auch nichts im Haus, aber Steffis Golf Cabrio stand in der Hauseinfahrt. Sie musste doch irgendwo in der Nähe sein. Christiane schritt leise ums Haus und sah eine weinende Steffi im Liegestuhl sitzend auf der Terrasse. „Es tut mir so leid“ sagte Christiane vorsichtig. Doch Steffi rannte ihr entgegen und schluchzte laut. „Stell Dir vor, Christiane … dieses Schwein von Markus hat während unserer gemeinsamen Zeit diese Tamara geschwängert“.  Christiane konnte sich  vorstellen, wer Tamara ist und nach Steffis Beschreibung zu urteilen, ist es die Highheels-Frau vom Kino. Christiane konnte Steffi nicht beruhigen. Mit Wut erzählte Steffi von der Begegnung mit Tamara in der Gynäkologen-Praxis. Tamara saß neben Steffi im Wartezimmer und die beiden Frauen kamen miteinander ins Gespräch und als es um den Kindsvater ging, fiel Steffi beinahe vom Stuhl, als sie erfuhr, dass Markus der Vater des Kindes ist. Natürlich verschwieg Steffi, dass Markus mit ihr geschlafen hatte. Sie wollte die noch sehr junge Tamara nicht verletzen, trotz der Wut die sie auf Markus hatte. Aber eine Lektion wird nun wirklich fällig, Markus führt ein Hallodri-Dasein, dass nicht mehr feierlich ist. Aber was tun, Christiane und Steffi überlegten gemeinsam. Kriminell darf die Aktion nicht werden und ernsthaften Schaden möchten beide, trotz dem Hass auf Markus, ihm nicht antun. Steffi und Christiane möchten sich eigentlich nicht auf das Niveau von Markus begeben. Doch da kam Christiane eine glorreiche Idee. Ihre Chefin von der Personalabteilung zieht in Erwägung Markus eine Sekretärin zuzuteilen. Christiane war bekannt, dass diese Stelle firmenintern besetzt werden soll und nur eine Frau in Erwägung gezogen wird. Die 56-jährige Roswitha aus der Buchhaltung. Christiane durchlief auch die Abteilung Buchhaltung während ihrer Ausbildung im Betrieb und kannte Roswitha schon über Jahrzehnte hinweg. Die Ingenieure und die dazugehörigen Sekretärinnen sollen für 2 Tage ein  Seminar in München besuchen mit Übernachtung im Hotel. Roswitha war eine Frohnatur und mit ihr konnte man Pferde stehlen. Christiane konnte sich vorstellen, dass Roswitha sich einlässt auf den Streich, den sie plant. Und ob Roswitha dabei mit machte, nachdem sie erfuhr, wie Markus mit den Frauen umsprang.

 

Markus und seine Ingenieur-Kollegen freuten sich auf eine Sauftour nach Seminarschluß am ersten Schulungstag. Die Männer feierten bis tief in die Nacht und Markus war besoffen, als er Abends in sein Hotelzimmer torkelte. Zum Glück vergaß er die Zimmertür abzuschließen, weil er so betrunken war. Als Markus am nächsten Morgen total verkatert im Hotelbett aufwachte, traute er seinen Augen nicht. Da lag Roswitha in Latex-Kleidung und mit Peitsche schwingend neben ihn. Markus fiel fast in Ohnmacht … hatte er wirklich auf diese Weise mit seiner neuen Sekretärin Roswitha die Nacht verbracht. Hilfe, wenn das im Betrieb die Runde macht … er mit seiner 56-jährigen Sekretärin. Aber Roswitha erzählte schon im Frühstücksraum des Schulungszentrum von der heißen Nacht mit Markus, die in Wahrheit nie stattgefunden hatte. Die Ingenieur-Kollegen machten sich lustig über Markus und der wäre am liebsten im Erdboden versunken. Rache ist süß!!!

 

(c) Sibylle Wild,  1. Mai 2015

Kurzgeschichte, Die geheimnisvolle Gebetsrolle

Mandala, 23.04.15

23. April 2015, Mandala von mir ausgemalt

 

Urkunde, 3. Platz Schreibwettbewerb

Ich habe bei einem Schreibwettbewerb mit folgender Kurzgeschichte den 3. Platz belegt.

Dies ist meine Urkunde.

 

Eine Kurzgeschichte!!                              

Ein grauer Märztag in Nürnberg. Peter Günners Stimmung war wettermäßig gedrückt und gleichzeitig erwartungsvoll, er freute sich auf die junge französische Archäologin Madeleine Persi. Die Beiden lernten sich vor 2 Jahren bei einer Ausgrabung in Israel kennen. Peter Günner, selbst ein renomierter Archäologe, möchte die hübsche Madeleine in sein neues Projekt einweihen und hofft auf ihre Mitarbeit. In Tibet wartet Arbeit auf alle. Peter Günner war gerade dabei ein neues Ausgrabungsteam für dieses Projekt zusammen zustellen. Nun saß er im Schloßcafé in Nürnberg und wartete auf Madeleine, die sich wieder mal verspätete. Eine bezaubernde Frau, diese Madeleine. Peter Günner hofft darauf, neben der Arbeit bei ihr zu punkten. Eine neue Beziehung würde Peter neuen Antrieb geben. Es ist nun schon 5 Jahre her, als Peters Frau Corinna an Krebs verstarb. Peter lebt nicht gerne alleine, außer einer flüchtigen Beziehung ergab sich in den vergangenen 5 Jahren nicht viel bei ihm, es fehlte einfach die Zeit. Also warum Arbeit nicht mit Vergnügen verbinden. Das Schloßcafe füllte sich an diesem Nachmittag rasch. Peter saß an einem kleinen Tisch, der nur für 2 Personen war. Er wollte ungestört mit Madeleine reden. Der Zeiger der Uhr schritt voran, von Madeleine war weit und breit nichts zu sehen, da konnte Peter noch so aus dem großen Fenster des Cafés auf die Fußgängerzone starren. Plötzlich sah er sie um die Ecke kommen … halt stop … Madeleine war nicht alleine. Wie ein Schatten hing ein Mädchen an ihr. Peter hoffte, dass es nur Madeleines kleine Schwester ist und nicht ihr eigenes Kind. Nicht, dass er was gegen Kinder hätte, aber es fehlte ihm die Erfahrung im Umgang mit Kindern. Mit seiner Frau Corinna hatte Peter keine Kinder. Madeleine kam zur Tür herein, im Schlepptau dieses junge Mädchen. Peter winkte die Beiden an seinen Tisch und bat die Bedienung noch einen Stuhl zu bringen. Madeleine begrüßte Peter herzlich und sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Wie sich nun herausstellte, war es tatsächlich Madeleines eigene Tochter, sie ist 13 Jahre alt und heißt Angelita. Die sich gerade genervt zu einem Händedruck für Peter herab lies. Man merkte überdeutlich, dass Angelita nicht ganz freiwillig die Begleitung ihrer Mutter spielte. Aber es waren gerade Osterferien und Angelita hatte nur Unsinn im Kopf und stellte gerne Sachen an, die ihrer Mutter eindeutig zu weit gingen. Man konnte Angelita nicht alleine lassen, sie heckt nur Blödsinn aus. Angelita trumpfte direkt mit ihrer negativen Laune auf und sabotierte jedes Gespräch. Langsam wurde es peinlich, die anderen Café-Besucher starrten die Drei nur noch an und fingen an zu tuscheln und zu lästern.  Peter fackelte nicht lange, zahlte und bat Madeleine mit ihrer Tochter Angelita zu ihm in seine Wohnung nach Nürnberg zu fahren. Dort könnte man sich doch in Ruhe unterhalten und auch Angelita könnte sich dort mit Fernsehen oder Musik hören beschäftigen. Peter wohnt in einem modernen Loft, er verbringt sehr wenig Zeit darin, weil er ständig auf Reisen ist. Als erfolgreicher Archäologe war er weltweit im Einsatz und sehr gefragt. In Peters Loft war klar zu erkennen, dass eine weibliche Hand fehlt. Nüchtern war die Einrichtung, ein typisches Männer-Apartement. Unordentlich war es nicht, einfach gehalten und zweckmässig eingerichtet. Peter bot Madeleine einen Platz auf dem Sofa an und Angelita machte es sich vor dem Fernseher bequem. Endlich gab Madeleines Tochter mal Ruhe. Peter versuchte Madeleine zu überzeugen, dass sein neues Ausgrabungsprojekt in Tibet ein kompetentes Team benötigt und Madeleine soll mit dabei sein. Madeleine fühlte sich geehrt und Peter fing an Madeleine in ein anregendes Gespräch zu verwickeln. Angelita entzog sich aus dem Blickwinkel der beiden und verdrückte sich in Peters Küche. Sie schaute sich alles genau an und bediente sich an der üppig gefüllten Obstschale. Angelita griff nach einer Banane. Madeleine und Peter waren immer noch in ihrem Gespräch über die Ausgrabung in Tibel gefangen, als Angelita sich an Peters neuer Smoothie-Maschine zu schaffen machte. Es gab soviel Obst in der Küche, dass Angelita dachte, sie schafft es, sich mit der neuen Küchenmaschine einen frischen Smoothie zuzubereiten. Aber das Mädchen wurde langsam eifersüchtig auf Peter, sie merkte, wie interessiert der Archäologe an ihrer Mutter ist und das lag nicht nur an dem Ausgrabungsprojekt. Angelita war zwar erst 13 Jahre alt, aber auf den Kopf gefallen war sie nicht. Sie sah ganz genau, wie Peter ihre Mutter anbaggerte und das war Angelita ein Dorn im Auge. So heckte sie einen Plan aus. Sie rief nach Peter und bat ihn in die Küche zu kommen, ihre Mutter Madeleine folgte Peter nach. Die Zwei waren immer noch in ihrem Gespräch vertieft. Angelita bettelte nach einem frisch zubereiteten Smoothie, aber sie gab vor, die Küchenmaschine nicht selbst bedienen zu können. Peter lies sich nicht 2 mal darum bitten. Er war gerade dabei, den Smoothie herzustellen, als die Küchenmaschine unter seinen Händen explodierte. Madeleine war genauso geschockt und entsetzt wie Peter. Angelita lachte laut auf und fand es sehr witzig, dass überall in der Küche der Smoothie klebte. Obwohl Angelita noch ein Kind war, schaffte dieses kleine Biest es, die Küchenmaschine zu sabotieren. Unfassbar. Madeleine schämte sich sehr für ihre Tochter und versicherte Peter für den Schaden aufzukommen und ihm bei der Reinigung der Küche zu helfen. Angelita mußte auch mit anpacken, obwohl sie dabei nur motzte und kein schlechtes Gewissen hatte. Nach der Grundreinigung der Küche, schnappte sich Madeleine ihre Tochter und verabschiedete sich von Peter. Madeleine und Angelita fuhren mit dem Stadtbus zurück nach Fürth. Zuhause erwartete Angelita eine gehörige Standpauke von ihrer Mutter und genauso kam es auch. Madeleine rechnete nicht mehr damit, dass Peter sie nach dem Vorfall mit der Küchenmaschine noch in seinem Ausgrabungsteam aufnehmen wird. Doch am nächsten Tag rief Peter bei Madeleine an und fragte sie, ob sie nun dabei ist bei der Ausgrabung in Tibet. Natürlich wollte Madeleine dabei sein und sie freute sich sehr. Doch ein Haken hatte die Angelegenheit für Madeleine, der Zeitraum der Ausgrabung fiel genau in Angelitas Sommerferienzeit. Doch dieses Details verschwieg Madeleine gegenüber Peter. Sie war davon überzeugt, dass sich eine Lösung finden wird. Die Monate bis zur Ausgrabung vergingen wie im Flug. Madeleine fasste sich ein Herz und traf sich mit Peter in dessen Loft. Sie mußte Peter irgendwie davon überzeugen, dass sie selbst nur dabei sein kann, wenn Angelita mit nach Tibet kommen darf. Peter entglitten förmlich die Gesichtszüge, als er Madeleines Bitte hörte. Aber er sah nur die eine Chance , um Madeleines Herz zu gewinnen, wenn er einverstanden ist, dass Angelita mit nach Tibet geht. So gab Peter sein ok und Angelita durfte mit nach Tibet zur Ausgrabungsstätte.  Am 4. August kam Peters ausgesuchtes Archäologen-Team zusammen mit Angelita in Tibet an. Angelita war entsetzt, als sie sah, dass sie in den nächsten 4 Wochen in einer kleinen Zeltstadt leben musste. Für ihre Mutter Madeleine war das nichts außergewöhnliches, sie hatte diese Tatsache nur wohlweislich vor Angelita geheim gehalten, denn sonst wäre ihre Tochter definitiv nicht mit gekommen. Am nächsten Morgen begannen die Ausgrabungen und Angelita durfte kleine Aufgaben mit übernehmen. Sie murrte zwar ständig, aber für ihre Verhältnisse war sie doch fleissig mit am arbeiten. Die Tage vergingen, allmählich wurden die ersten Steine und Mauern freigelegt und das Ausgrabungsteam drang immer tiefer in die Erdschichten ein. Am 17. Tag dann das große Aufatmen, ausgerechnet Angelitas Mutter Madeleine stieß auf die geheimnisvolle Gebetsrolle, die sie alle suchten. Die helle Aufregung innerhalb des Archäologen-Teams war groß. Aber diese Gebetsrolle war nur ein Teil des erhofften Fundes. Das bedeutete die Ausgrabungen werden fortgesetzt. Der Archäologe, Peter Günner, inspizierte die gefundene Gebetsrolle genauer. Denn nur er wusste von dem Geheimnis der Gebetsrolle. Irgendwo darin soll sich ein altes Dokument befinden, das sehr wichtig für seinen Auftraggeber ist. Er behielt dieses Geheimnis für sich und beschäftigte sein Team damit weiterzugraben, mit dem Vorwand, noch nicht alles gefunden zu haben. Peter Günner machte sich ans Werk, er wollte unbedingt herausfinden, wo sich dieses geheimnisvolle Dokument in der Gebetsrolle befindet. Es war ganz schön kniffelig und vor lauter drehen, wenden und inspizieren, bemerkte Peter nicht, dass er von Angelita beobachtet wurde. Und ausgerechnet Angelita erlebte mit, wie Peter das geheime Dokument innerhalb der Gebetsrolle fand. Er breitete es vor sich aus und versuchte es zu entziffern, aber das Dokument gab ihm Rätsel auf, jedoch weiß sicherlich sein Auftraggeber näheres und kann damit etwas anfangen. Angelita jedoch hatte so eine Wut auf Peter. Längst war gefunden, was eigentlich gesucht wurde, aber ihre Mutter und das restliche Archäologen-Team mußten weiter in Erde und Dreck graben. Das ärgerte Angelita ungemein. Sie könnten alle  längst wieder zu Hause sein, wenn Peter ehrlich gegenüber seinem Team gewesen wäre. Aber Peter lies alle weiter graben und buddeln. Noch Tage lang und je länger es dauerte, desto wütender wurde Angelita. Ihrer Mutter hatte sie nichts verraten, auch sonst niemand aus dem Team. Doch in Angelita reifte der Gedanke heran, dass sie Peter auffliegen lässt und es ihm heim zahlt. Angelita hatte beobachtet, wo Peter in der Zeltstadt das geheimnisvolle Dokument versteckt hält. Sie spielte ein riskantes Spiel. Eines Nachts steckte sie unbemerkt ein Versorgungszelt mit Proviant an. Während die Flammen loderten und das ganze Camp in Aufregung war und verzweifelt versuchten den Brand zu löschen, schlich sich Angelita an das Versteck von Peter Günner ran und machte heimlich Aufnahmen mit ihrem Handy von dem geheimnisvollen Dokument. Um auf Nummer sicher zu gehen, fotografierte sie nicht nur das Dokument sondern drehte auch einen kleinen Clip. Das Feuer war zwischenzeitlich gelöscht und Angelita zurück in ihrem Zelt. Sie wollte unbedingt diese Gebetsrolle mit dem Dokument für sich und ihre Mutter. Da Peter Günner solch ein Geheimnis um dieses Dokument macht, hat es ganz bestimmt einen hohen Wert. Nach weiteren 5 Tagen beendete Peter Günner ganz offiziell die Ausgrabungen und das gesamte Team flog zurück nach Deutschland. Die Gebetsrolle inclusive wichtigen Dokument wurde höchstpersönlich von Peter Günner transportsicher verpackt und ging mit ins Flugzeug. Angelita hatte sich schon längst einen Plan ausgedacht, wie sie an die Gebetsrolle und das Dokument gelangen kann. Als am Nürnberger Flughafen alle auf ihre Koffer warteten, gelang es Angelita als erste das besagte Paket mit der Gebetsrolle in Empfang zu nehmen. Sie verschwand damit und informierte kurz ihre Mutter per Handy, dass sie bereits auf dem Weg nach Hause ist. Die anderen vom Ausgrabungsteam warteten geduldig auf ihre Koffer und langsam bildeten sich Schweißtropfen auf Peter Günners Stirn. Das Paket mit der Gebetsrolle war nicht mit auf dem Kofferband. Nichts, weit und breit kein Paket. Peter Günner startete einen Suchauftrag, derweil tippte er eine SMS an seinen Auftraggeber. Die archäologischen Funde, die bei der Ausgrabung in Tibet gefunden wurden, waren unter mysteriösen Umständen verschwunden. Der Auftraggeber war entsetzt, besonders wegen der Tatsache, dass die Gebetsrolle mit dem geheimnisvollen Dokument bereits im Internet publiziert und bereits verkauft wurde, somit keinen Wert mehr für den Auftraggeber darstellt. Peter Günner war am Boden zerstört, so viel Mühe und Aufwand für nichts, er sah keinen Cent, weil der Auftraggeber nicht mehr gewillt war etwas zu zahlen.  

Kurzgeschichte, Krimi, Diese Augen

 

Bibel, Windlichtgläser, Rose im Füllhorn

Mit dieser Kurzgeschichte … ein Krimi … habe ich in der Internetgruppe: Im Reich der Worte, den 1. Platz gemacht.

Ich freue mich riesig darüber.

 

DIESE AUGEN                                                                                31.01.15
Die Bahnhofstraße in der Stadt Windeck war um die Mittagszeit sehr belebt. Nicole traf sich mit ihrer Freundin Susanne im griechischen Restaurant „Marathon“.  Susanne, Hausfrau und Mutter von 2 schulpflichtigen Töchtern, war bereits da und sie wählte denTisch in der kleinen Nische aus, mit Blick zur Straße. Nicole arbeitet als Bankangestellte in der Neuer-Bank von Windeck, diese hat eine kleine Filiale in der Bahnhofstraße, direkt gegenüber vom Restaurant „Marathon“. Das Restaurant gab es schon seit 12 Jahren in Windeck, am Abend immer sehr gut besucht, aber um die Mittagszeit waren heute nur ein älteres Ehepaar mit im Raum, die bereits beim Essen waren. Das „Marathon“ ist ein kleines, aber schönes griechisches Restaurant. Die Betreiberin richtete es sehr geschmackvoll ein. Zwei Wandseiten waren bemalt mit Meerszenen, in dem unverkennbaren, wunderschönen Blau, das so typisch für Griechenland ist.  Überall standen Skulpturen und originelle, dickbauchige Vasen. Nicole und Susanne lieben dieses Restaurant.  Wie immer kam die Bankangestellte Nicole etwas später aus der Neuer-Bank, ihre Mittagspause fing selten auf die Minute genau an. Susanne wartete geduldig im Restaurant, derweil telefonierte sie mit ihrem neuen Lebenspartner Matthias. Die Beiden waren erst seit einem halben Jahr zusammen. Matthias ist Kfz-Meister mit eigener Werkstatt, die im Moment nicht so gut lief, ihn drückten finanzielle Sorgen. Und genau das war der Grund warum Susanne sich unbedingt mit ihrer Freundin Nicole treffen wollte. Bisher lehnten alle Banken Matthias einen weiteren Kredit ab und Susanne konnte auch nicht mit Sicherheiten aufwarten. Die Lage war irgendwie aussichtlos. So setzten sie große Hoffnungen auf Nicole und deren Mann Dirk, der als Chirurg im Klinikum Windeck eine Kapazität in seinem Fach ist und sehr gutes Geld verdient. Auch die Neuer-Bank lehnte einen Kredit für Matthias ab, trotz Nicoles Versuch mit ihrem Chef zu reden und die Kredit-Bewilligung durchzuboxen. Nun hofften Susanne und ihr Matthias, dass Nicole und Dirk ihnen privat Geld ausleihen. Aber das lehnte Nicole schon beim letzten Gespräch ab, denn bei Geld hört für Dirk und Nicole die Freundschaft auf. Trotzdem gab Susanne nicht auf, die Lage war ernst und es ging um ihre Existenz. Susanne bestellte sich im „Marathon“ nur einen kleinen Salat, mehr war nicht drin und sie konnte nicht immer erwarten, dass Nicole für sie mitbezahlt. Nicole war heute Mittag sehr hungrig, sie gönnte sich die leckere Grillplatte mit Gyros und Suflaki. Susanne kam direkt zur Sache, sie wollte nicht länger um den heißen Brei reden. Es ging mal wieder um Geld und diese Angelegenheit belastete die Freundschaft zwischen den Beiden sehr. Nicole blieb stur, sie macht Susanne erneut klar, dass sie von Dirk und ihr kein Geldsegen erwarten kann. Für einige Minuten herrschte Schweigen am Tisch. Nicole konzentrierte sich auf ihre Grillplatte und aß mit einem gesunden Hunger. Nicole konnte nicht anders als aus dem Fenster zu starren. Es war mittlerweile 13.10 Uhr, Susanne bliebt nicht mehr viel Zeit, ihre Töchter warteten bereits an der Schule. In diesem Moment sah sie wie ein maskierter Mann eilig die Neuer-Bank  verließ. Ihr fielen sofort die stechend blauen Augen auf, sie kamen ihr sehr vertraut vor. Nicole bekam von alledem nichts mit. Es ist fraglich ob überhaupt jemand wahrgenommen hatte, was da gerade passierte. Denn der Mann mit der Maske verschwand auf schnellsten Wege in einer Seitenstraße. Susanne war entsetzt und sagte ganz laut zur Nicole: „Ein Überfall bei Euch in der Neuer-Bank“. Nicole lief ruckzuck in die Neuer-Bank und da heulten auch schon die Sirenen der Polizei, die heran rasten. Nicoles Kollegin an der Kasse in der Neuer-Bank konnte noch den Notfallschalter drücken, aber da war der Bankräuber schon längst aus der Tür. Beim Überfall wurden 45.000 Euro erbeutet, eine stattliche Summe. Die Polizei sperrte alles ab, sie fingen an die neugierigen Passanten zu befragen, ob jemand den Überfall beobachtete und den Täter beschreiben konnte. Doch die Aussagen waren widersprüchlich, es gab ganz unterschiedliche Täterbeschreibungen, aber niemand hat wirklich etwas ganz konkretes vom Täter sehen können. Außer Susanne – diese stechend blauen Augen waren ihr mehr als vertraut, aber das Details verschwieg sie wohlweislich der Polizei. Am selben Tag wurde Susanne  zur Polizeiwache geladen, um ihre Aussage zu wiederholen. Das Gebäude der Windecker Polizeiwache stammt aus den frühen 70er-Jahren. Ein neuer Fassadenanstrich wäre echt mal bitter nötig. Die Innenausstattung ist fast schon wieder Retro. Am Schreibtisch sitzt ein älterer Polizeibeamter, eigentlich wollte er längst in Pension gehen, aber akuter Personalmangel bei der Windecker Polizei zwingt ihn dazu, noch ein paar Tage länger zu arbeiten. Wirklich fit am Computer scheint er nicht zu sein, als er Susannes Zeugenaussage eintippte, war die Korrekturtaste sein Lieblingswerkzeug. Susanne war genervt, die Kinder mußten immer noch an der Schule auf sie warten. Langsam wird es mal Zeit, sie kann nicht ewig hier versauern. Was sie noch nicht wußte, war, dass die Polizei bereits eine heiße Spur hatte. Denn der Täter verlor in der Bank eine Blanko-Quittung mit Firmenstempel. Ein Einsatzwagen war schon auf dem Weg zu dieser Firma. Susanne durfte nach ihrer Zeugenaussage die Polizeiwache verlassen. Schnell fuhr sie zur Schule, um ihre beiden Töchter abzuholen, doch die wurden bereits von der Oma abgeholt, denn die beiden Kinder verständigten ihre Oma als Susanne nicht zur vereinbarten Zeit an der Schule stand. So machte sich Susanne auf den Weg nach Hause. Dort führte die Polizei bereits ihren Lebenspartner Matthias ab, zu ihm gehörte der Firmenstempel auf der Blanko-Quittung, die der Täter in der Neuer-Bank verloren hatte. Aber das war nicht der einzigste Grund, denn die Polizei brachte längst zu Tage, dass Matthias mit seiner Auto-Werkstatt hoch verschuldet ist und es d a s Tatmotiv ist.  Aber Matthias versuchte verzweifelt der Polizei klar zu machen, dass er nicht der gesuchte Täter ist. Ihm ist völlig unklar, wie seine Blanko-Quittung mit Firmenstempel in die Neuer-Bank geraten sei, denn er schraubte schon den ganzen Tag an einem alten Mercedes W 124, 300 E. Dafür gab es leider keine Zeugen. Susanne war völlig durch den Wind, sie konnte nicht glauben, was da gerade passierte. Warum sollte ausgerechnet Matthias der Täter sein. Sie hatte doch den Täter mit den stechend blauen Augen gesehen. Nach einer schlaflosen Nacht entschied sich Susanne noch einmal zur Polizei zu gehen. Sie verbesserte Ihre Aussage und verriet das entscheidente Detail: die stechend blauen Augen. Sie gehörten nicht zu ihrem Lebenspartner Matthias, der hatte eine warme, braune Augenfarbe. Susanne nannte den Namen des Täters: Andreas , ihr Ex-Mann. Die Polizei ermittelte und sie fingen Andreas  am Flughafen ab, in seinem Koffer befand sich ein Plüsch-Teddy, in dem die Beute versteckt war. Bei der Vernehmung stellte sich heraus, dass Andreas das Geld benötigte, um ein neues Leben in Thailand zu beginnen. Dort lebt seine thailändische Freundin. Doch wie genau war die Tat abgelaufen. Wie die Polizeibeamten ermitteln konnten, fuhr Andreas mit dem Bus in die Windecker Bahnhofsstraße. Die Bushaltestelle lag nur 20 Meter von der Neuer-Bank entfernt. Graffiti-Sprayer haben die Bushaltestelle mit ihrem Kunstwerken verziert, vorher war da nur eine triste, graue Betonwand. Diese Wand war so knallig kunterbunt, dass ein einzelner Mensch gar nicht ins Auge fiel. Von der Bushaltestelle aus gelangte Andreas in die Neuer-Bank. Kurz vorm betreten der Neuer-Bank zog Andreas sich die Sturmmütze auf, nur Augen, Nase und Mund waren sichtbar. Zum Glück war zu dieser Zeit nur die Bankangestellte Simone am Kassenschalter in der Neuer-Bank und der Rentner Ernst Müller zog sich seine Kontoauszüge am Bankautomaten. Herr Müller stand abgewandt von Andreas, als er herein kam. Dann ging alles ganz schnell. „Überfall“ rief Andreas, er bedrohte die Anwesenden mit einer Waffe und zwang die Bankangestellte Simone zur Herausgabe des Geldes. Die Flucht glückte Andreas durch schnellen Schrittes in eine angrenzende Seitenstraße, dort hatte er sein Mountainbike am Morgen abgestellt. Er konnte ja nicht ahnen, dass er ausgerechnet von seiner Ex-Frau Susanne beobachtet wurde. Die Blanko-Quittung mit dem Firmenstempel von Susannes Lebenspartner Matthias, hatte sich Andreas schon vor 14 Tagen angeeignet. Als er die gemeinsamen Töchter in der Autowerkstatt abholte, bot sich die Gelegenheit, eine Blanko-Quittung mit Firmenstempel mitgehen zu lassen. Susannes Lebenspartner Matthias kam wieder auf freien Fuß und einige Wochen später kam es zur Verurteilung von Andreas.

(C) Sibylle Wild

 

Kurzgeschichte: Jugendstress

Dies war meine 1. Kurzgeschichte. Einzige Aufgabe waren 3 Orte: Bushaltestelle, Restaurant und Polizeiwache.

Diese Kurzgeschichte schrieb ich außer Konkurrenz.

Jugendstress
Lisa eilte aus ihrem Zimmer, es gab schon wieder Zoff mit ihrem Vater und sie wollte das nicht länger ertragen. Ihre Mutter war noch auf der Arbeit. Also raffte Lisa ein paar Klamotten zusammen, packte ihren Rucksack und bewegte sich Richtung Sonnenallee. Direkt nach dem heftigen Streit mit ihrem Vater, telefonierte Lisa mit ihrer besten Freundin Sophie und die beiden verabredeten sich um 16 Uhr an der Bushaltestelle „Zum Buchbrunnen“. Lisa wählte diese Bushaltestelle als Treffpunkt, weil sie dort ungestört mit Sophie ihren Schlachtplan aushecken konnte, denn die Bushaltestelle lag nicht an der vielgefahrenen Buslinie 1 sondern die Station „Zum Buchbrunnen“ war eine Nebenstrecke, dort kam nur alle Stunde mal ein Bus vorbei. Da es direkt neben der kleinen Sitzecke an der Bushaltestelle einen schönen großen Brunnen gab, eignete sich dies hervorragend um mit Sophie den heißen Sommertag bei einer Dose Cola zu verbringen.
Lisa hatte es so satt, ihr Vater zoffte nur noch mit ihr rum und ihre Mutter war mehr auf der Arbeit als zu Hause. Ein Grund mehr endlich abzuhauen. Lisas Ziel war es, vom Bahnhof in ihrer Heimatstadt nach Luckenbach zu kommen, dort wohnt Manuel, ein interessanter Internetbekannter, den sie vor einer Weile in einem Chatroom kennenlernte. Sie war schon so mega aufgeregt, den Typ endlich in natura zu sehen. Aber außer Lisa wußte noch niemand von der Aktion. Lisa möchte ihre Freundin Sophie überreden mit zu fahren, denn ganz alleine traute sie sich dann doch nicht.
16.05 Uhr, pünktlich erschien Sophie an der Bushaltestelle, sie setzte sich neben Lisa an den Brunnen. Boah, war das wieder heiß heute. Nur gut, dass die alte Buche neben dem Brunnen ein bisschen Schatten spendete. Lisa war total aufgeregt, sie wollte Sophie schnell in ihren Plan einweihen. Sophie war zunächst entsetzt, warum in aller Welt will Lisa denn abhauen und dann noch zu dem Macker aus dem Internet. War denn die Situation in Lisas Elternhaus so unerträglich. Überzeugt war Sophie nicht von Lisas Plan. Doch Lisa gab nicht auf und als endlich der Bus hielt, fuhr Sophie dann doch mit im Bus Richtung Stadtzentrum, dort war auch der Bahnhof.
In einer halben Stunde ging der Zug in Richtung Luckenbach. Sophie mußte Lisa hoch und heilig versprechen, dass niemand von dieser Aktion erfährt, auch nicht Lisas Eltern. Denn Sophie war absolut dagegen gewesen, geschweige denn bereit mitzufahren.
Der Zug rollte in den Bahnhof und Lisa stieg ein. Sie schickte Manuel eine SMS, dass sie auf einen Spontantrip zu ihm unterwegs sei. Manuel freute sich echt riesig und antwortete: Ich treffe Dich um 19.00 Uhr beim Italiener „Romantico“, ein Restaurant nur 5 Minuten vom Bahnhof entfernt. Pestalozzistraße 11.
Die Bahnfahrt nach Luckenbach war alles andere als angenehm. Sophie rief ganz oft auf Handy an und versuchte Lisa zu überzeugen, die Aktion noch abzublasen. Aber Lisa hatte sich in den Kopf gesetzt nun tatsächlich abzuhauen. Sie war es so satt zu Hause. Und Manuel war so ein süßer Typ, sie mußte ihn einfach persönlich kennenlernen.
18.42 Uhr, Bahnhof Luckenbach. Lisa stieg aus dem Zug aus und verlies den Bahnhof. Die Pestalozzistraße war rasch gefunden und das ital. Restaurant „Romantico“ sah vielversprechend aus. Lisa war total aufgeregt und ehe sie sich versah, umarmte  Manuel sie von hinten und hielt ihr ein Plüschtier vor die Nase. Wie süß ist das denn.
Das italienische Restaurant „Romantico“ machte seinem Namen alle Ehren. Überall auf den Tischen brannten Kerzen und die Tischwäsche war farblich passend dazu abgestimmt. Rosen in ausgefallenen Vasen dienten als Blickfang. Einfach hübsch anzusehen. Manuel bestellte sich eine Pizza und Lisa wählte ein Nudelgericht. Es schmeckte sehr lecker. Die Beiden quatschten bis Mitternacht und Lisa versuchte Manuel vorsichtig beizubringen, dass sie gerne ein paar Tage länger bei ihm bleiben möchte. Manuel war zwar nicht so begeistert von der Idee, willigte aber trotzdem ein, weil er die Nacht mit Lisa verbringen wollte. Doch dazu kam es erst gar nicht.
Zuvor landeten Lisa und Manuel noch in der kleinen Cocktailbar „Miamar“.  Manuel füllte sie regelrecht ab mit all den süffigen Cocktails und Lisa war kaum mehr fähig aufrecht zu gehen. So sturzbesoffen schwankte Lisa mit Manuel zu dessen Wohnung in die Maintalstraße. Dort kamen sie aber nie an, denn eine aufmerksame Polizeistreife entdeckte das schwankende Pärchen und verlangte erst mal die Personalien. Lisa fischte verzweifelt in ihrem Rucksack nach dem Dokument und dabei rutschte ihre Geldbörse raus, darin befand sich nur ihr Schülerausweis. In sekundenbruchteil war den Beamten klar, Lisa war noch keine 18. Das hatte zur Folge, dass Lisa erst mal mit zur Polizeiwache kam. Die Polizisten verständigten Lisas Eltern, die machten sich direkt auf den Weg nach Luckenbach. Lisa verbrachte die Zeit bis zum Eintreffen der Eltern in der Ausnüchterungszelle der Polizeiwache.
Lisas Vater lies wieder einen Schwall der Beschimpfungen über sie ergehen, als die Familie sich auf den Heimweg machten. Sie durfte sich anhören, dass sie nur Ärger macht. In der Schule  eine Niete sei und wo sie diesen hirnamputierten Manuel aufgegabelt hätte. Da Lisa noch so benebelt vom Alkohol war, drangen die Sätze ihrer Eltern nur als Wortfetzen zu ihr. Soviel bekam sie noch mit, dass sich ihre Eltern wieder ohne Ende zofften. Lisas Mutter warf ihrem Mann vor, dass er ständig nur besoffen in der Ecke liegt, zu faul zum Arbeiten ist und Haushalt und ganz besonders Lisa total vernachlässigt. Das hörte sich Lisas Vater nicht lange an, dann brach der Zorn in ihm durch und er attackierte Lisas Mutter mit einem Wortschwall und wurde selbst im Auto handgreiflich. Er warf seiner Frau vor, dass sie nie Zeit hätte, ständig auf der Arbeit hängt und es kein Familienleben mehr gäbe. Lisas Mutter konterte, dass sie ja immerhin alleine die Brötchen verdienen müsste und seine Sauferei ne Stange Geld kostet. Dieser Schlagabtausch ging so lange bis sie alle zu Hause eintrafen. Lisa wollte nur noch schlafen und endlich diese Kopfschmerzen los werden. Nachdem Lisa sich zwei Aspirin genehmigte und eine Mütze voll Schlaf gönnte, kam sie 4 Stunden später in die Küche. Da tagte schon der Familienrat, man wartete bereits auf sie. Lisa hatte definitiv kein Bock auf endlos lange Diskussionen und sprach aus, was schon so lange auf ihrem Herzen lag. Sie wünscht sich so sehr, dass sie wieder wie früher eine intakte Familie sind. Ihr Vater sollte wirklich mal in Erwägung ziehen, eine Suchtberatung aufzusuchen, wo er Hilfe erhalten wird. Immerhin würde seine Sauferei die ganze Familie belasten und ein stückweit ruinieren. Es wäre ja kaum mehr auszuhalten. Lisa wünschte sich von ihrer Mutter, dass sie auch mal an die Familie denke. Es gäbe noch etwas anderes als Arbeit. Von allen Seiten hagelte es Kommentare … es ist und war wie immer.  

(c) Sibylle, (simawi70)